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19.11.2009 RSS Feed

Wenn’s dem Schwein gut ging, schmeckt es auch


Bonn (ba/vfz/pm) - Wie kann man erreichen, dass Schweinefleisch dem Verbraucher gut schmeckt? Merkt man dem Fleisch an, ob das Tier artgerecht gehalten wurde? Und wie lässt sich so etwas eventuell auch im Nachhinein überprüfen? Kann man „Wohlfühlen“ standardisieren? Aspekte der Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit werden für alle Bereiche der Tier- und Fleischerzeugung zunehmend wichtiger. Gleichzeitig bestimmen diese Aspekte maßgeblich die Zukunftsfähigkeit der europäischen Schweineproduktion.

Auf der internationalen Konferenz „Improving the quality of pork for the consumer” am 18. November in Bonn diskutierten rund 220 Experten aus 23 Ländern diese und andere Probleme der Schweinefleischproduktion. Veranstaltet wird die Konferenz vom foodnetcenter der Universität Bonn im Rahmen des internationalen Projekts Q-PorkChains, das aus dem 6. Forschungsrahmenprogramm der EU finanziert wird. Das Projekt Q-PorkChains umfasst sechs Forschungsmodule. Mit einem Etat von rund 20,73 Mio. Euro ist das über fünf Jahre laufende Projekt das bislang umfangreichste EU-Forschungsprojekt in diesem Bereich. Koordiniert wird es von Prof. Dr. Anders Karlsson von der Universität Kopenhagen.

Die Projektpartner kommen aus den Bereichen Marktforschung, Tierproduktion, Fleischforschung, Molekulargenetik, Qualitätsmanagement und Agrarökonomie. Insbesondere die am Projekt beteiligte Universität Bonn befasst sich schon seit Längerem damit, Standards für die Tiergesundheit zu entwickeln. Eine Möglichkeit besteht in der Festlegung biologischer Marker, mit denen sich immunologischer Stress (Gesundheit der Tiere), aber auch Umweltstress (tiergerechte Haltung) festlegen lassen, wie Prof. Dr. Brigitte Petersen darlegt. Das Wohlbefinden der Tiere kann durch einen verbesserten Gesundheitsstatus gesteigert werden nach der Devise „Vorsorge ist besser als Nachsorge". Daten zu Gesundheitsrisiken können den Schweineproduzenten dabei unterstützen, gesündere und produktivere Schweine zu erzeugen und zu mästen. Verbraucher profitieren von einem guten Gesundheitszustand der Schweine durch das Angebot von qualitativ hochwertigem Schweinefleisch und einer erhöhten Lebensmittelsicherheit. Doch das Q-Pork-Projekt verharrt nicht im „Elfenbeinturm“. Es geht auch darum, wie innovative Konzepte aus allen diesen Forschungsbereichen in der Praxis erprobt und später umgesetzt werden können sowie - ebenfalls als Querschnittsthema - den gesamten Wissenstransfer.

Für diesen Schritt konnten erst kürzlich, wie Maren Bruns, für diesen Teil zuständige Projektmanagerin von GIQS (Grenzüberschreitende Integrierte Qualitätssicherung e.V.) betont, neue Industriepartner ins Projekt geholt werden. Der in Bonn ansässige gemeinnützige Verein GIQS e.V. koordiniert die Umsetzung der Ergebnisse in die Praxis. GIQS hat im Q-PorkChains-Projekt die Aufgabe, die anwendungsorientierte Forschung in Unternehmen, Pilotketten und Netzwerken zu steuern. Dank QUARISMA konnten an der Konferenz auch einige internationale Experten teilnehmen, deren Anwesenheit über das Projekt finanziell ermöglicht wurde. Bei QUARISMA, aus dem 7. Forschungsrahmenprogramm der EU finanziert, geht es vorrangig um den Austausch von „Manpower“, wie Dr. Detert Brinkmann von der Uni Bonn darlegt. Koordiniert wird auch dieses Projekt von GIQS. Grenzüberschreitend sollen Partner aus Industrie und Wissenschaft meist für ca. ein Jahr ausgetauscht werden.

Dadurch ergibt sich für die Beteiligten ein zweifacher Wissenstransfer. Die Konferenz wird auch genutzt, die internationalen Experten hinsichtlich ihrer Haltung zur Ferkelkastration zu befragen. Um den typischen Ebergeruch bei Schweinefleisch zu vermeiden, werden jährlich in Deutschland schätzungsweise bis zu 20 Millionen männliche Schweine kastriert – aus Kostengründen meist ohne Betäubung und völlig in Einklang mit dem Tierschutz. Dabei ließe sich das Problem auch anders in den Griff bekommen.




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