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17.11.2009 RSS Feed

Positive Entwicklung in der Vieh- und Fleischwirtschaft


Montabaur (ba/vfz/pm) Trotz anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheit bleibt die Prognose für die weitere Entwicklung der Agrar- und Ernährungswirtschaft ungebrochen positiv. Als große Herausforderungen gilt es, die Folgen des sich abzeichnenden Klimawandels mit sinkender Ertragsstabilität und die zunehmende Konkurrenz durch die energetische Verwertung agrarischer Rohstoffe zu bewältigen. Wegen des Weltbevölkerungswachstums wird der gesamte Wirtschaftszweig langfristig vom steigenden Nahrungsmittelbedarf profitieren. Deshalb hat die weitere Steigerung der agrarischen Produktion höchste Priorität. „Daher begrüße ich es, dass sich die Koalitionspartner ausdrücklich dazu bekennen, Zukunftstechnologien ideologiefrei zu fördern und zu nutzen. Ich erwarte, dass sich die Bundesregierung dafür einsetzt, die Rohstoffversorgung der europäischen Lebensmittel- und Veredelungswirtschaft zu gewährleisten, indem u. a. die von den EU-Behörden als sicher bewertete gentechnisch veränderte Pflanzensorten in Europa zugelassen werden“, erklärte Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), bei der 17. Fachtagung für die genossenschaftliche Vieh- und Fleischwirtschaft in Montabaur.

„Für die deutsche Veredelungswirtschaft steht sehr viel auf dem Spiel. Mit einem Produktionswert von ca. 21 Mrd. Euro wird hierzulande knapp die Hälfte der Wertschöpfung des Agrarsektors in der tierischen Erzeugung erwirtschaftet“, so Nüssel.
Als Gradmesser für die Effizienz und Qualität der in Deutschland her-gestellten Fleischprodukte bezeichnete der DRV-Präsident die Ex-portleistungen der Vieh- und Fleischwirtschaft. Im ersten Halbjahr 2009 konnten die Ausfuhren nochmals um knapp 9 Prozent gegen-über dem Vorjahreswert gesteigert werden. Das entspricht Ausfuhren in Höhe von 2,76 Mrd. Euro. „Diese positive Entwicklung ist das Ver-dienst der gesamten Wertschöpfungskette. Auf jeder Stufe werden enorme Leistungen erbracht, um diesen internationalen Spitzenplatz zu sichern. Neben der Pflege bestehender und der Erschließung neuer Absatzmärkte, gerade in den fernöstlichen Wachstumsregio-nen, muss aber auch dem rückläufigen Trend vor der eigenen Haus-tür Rechnung getragen werden. Den veränderten Essgewohnheiten und der rückläufigen Bevölkerungszahl in Deutschland und Europa muss strategisch begegnet werden. Denn rd. 70 Prozent des gesam-ten Schweinefleischangebots werden bislang auf dem hiesigen Markt abgesetzt“, so Nüssel.
Entscheidende Bedeutung hat das Thema Tiergesundheit und hoch-wertige Lebensmittel. „Damit unsere Ferkelerzeuger nicht zweiter Sieger im Wettbewerb um Marktanteile werden, ist die Kommunikati-on eines transparenten Gesundheitsstatus erforderlich. Vorausset-zung dafür ist, dass ein standardisiertes Monitoring-Programm zur Einschätzung des Gesundheitsstatus auf breite Resonanz stößt, um sich dann geschlossen dem europäischen Wettbewerb stellen zu können“, so Nüssel. Er hob hervor, dass sich die Genossenschaften auch auf diesem Gebiet einmal mehr als Motor für innovative Ent-wicklungen erweisen und engagiert die Herausforderungen anneh-men.
Nüssel betonte bei der DRV-Fachtagung, dass die Vieh- und Fleischwirtschaft nicht mehr auf stabilen Verkäufermärkten agiert, sondern es vielmehr mit dynamischen Käufermärkten zu tun hat. Die-se erfordern ein unverzügliches Reagieren auf sich rasch ändernde Verbraucherwünsche. Deshalb muss der kundenorientierte Qualitäts-gedanke mit der notwendigen Ausschöpfung aller Kostenvorteile zu optimierter Prozessqualität führen. Bereits 2006 hat der DRV das Verbundprojekt AIDA ins Leben gerufen, um den fachlichen Aus-tausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu intensivieren. Nach zweijähriger intensiver Arbeit melden die Projektbeteiligten positive Entwicklungen in den Bereichen Logistik, Datenverarbeitung und beim Aufbau einer Online-Plattform für die Tiergesundheit.

Deutscher Raiffeisenverband e.V. (DRV)
Der DRV vertritt die Interessen der genossenschaftlich organisierten Unternehmen der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft. Als wichtiges Glied der Wertschöpfungskette Lebensmittel erzielen die 2.994 DRV-Mitgliedsunternehmen im Agrarhandel und in der Verar-beitung von Agrarerzeugnissen mit rund 100.000 Mitarbeitern einen Umsatz von mehr als 44 Mrd. Euro. Landwirte, Gärtner und Winzer sind die Mitglieder und damit Eigentümer der Genossenschaften.

Vieh- und Fleischgenossenschaften in Deutschland
Zur genossenschaftlichen Vieh- und Fleischwirtschaft zählen insgesamt 116 Unternehmen. Die Zusammensetzung dieser Gruppe reicht von Zuchtunternehmen und Zuchtviehvermarktern über Viehvermarktungsgenossenschaften und Erzeugergemeinschaften, die schwerpunktmäßig in der Schlachtviehvermarktung tätig sind, bis hin zu den Fleischzentralen. Diese Zentralen decken die Schlachtung, Zerlegung und Fleischverarbeitung ab und sind mit SB-Fleisch sowie Fleischwaren im Lebensmitteleinzelhandel präsent. Die Unternehmen sind im Besitz der Landwirte und garantieren somit die enge Verzahnung der Vermarktung mit der landwirtschaftlichen Produktion.
In der Gesamtbilanz 2008 steigerten die 116 genossenschaftlichen Unternehmen (94 Vieh- und Fleischgenossenschaften einschließlich Zentralen und 22 Zuchtgenossenschaften) ihre Umsätze um rd. 17 Prozent auf insgesamt 4,8 Mrd. Euro. Auf die Vieh- und Fleischzentralen entfiel hierbei ein Umsatz von rund 2 Mrd. Euro. Die Viehgenossenschaften einschließlich der Zuchtgenossenschaften realisierten Umsätze in Höhe von rund 2,8 Mrd. Euro. Insgesamt wurden u. a. 17,6 Mio. Schlachtschweine (+ 3 Prozent) und mehr als 1 Mio. Rinder erfasst und geschlachtet. Im Nutzviehgeschäft wurden rund 13,5 Mio. Ferkel umgesetzt.


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