|
Ernte 2011: Schwieriges Jahr mit glimpflichem Ausgang
Kammerpräsident Arendt Meyer zu Wehdel zieht eine Bilanz
Oldenburg (ba/vfz/Landwirtschaftskamer) - Der Ackerbau in Niedersachsen fand dieses Jahr unter erschwerten Bedingungen statt. Während sich das Frühjahr ungewöhnlich warm und viel zu trocken präsentierte, zeigte sich der Sommer von seiner kühlen, nassen Seite. Auf die Ernteerträge wirkte sich das recht unterschiedlich aus.
Ausführlich ging Meyer zu Wehdel auf den Maisanbau in Niedersachen ein, der mit rund 604.000 Hektar (ha) die Ackerflächen dominiert. Auch wenn davon 85 Prozent Silomais sei, dürfe nicht der Eindruck entstehen, Mais würde ausschließlich für Biogasanlagen angebaut. Nach wie vor werde der größte Teil (300.000 ha) an Rinder verfüttert. Nicht nur die Landwirtschaftskammer prüfe alternative Gärsubstrate für Biogasanlagen, darunter Hirse, Sonnenblumen oder die Durchwachsene Silphie, eine mehrjährige, aus Nordamerika stammende Pflanze mit hohem Biomasseertrag.
Die Ergebnisse im Einzelnen:
Getreide: In diesem Jahr wurden 786.000 ha Getreide geerntet (ohne Körnermais). Der Gesamtertrag liegt mit 5,22 Mio. Tonnen (t) rund zehn Prozent unter dem Ergebnis von 2010. Das ist auf das Wetter, aber auch auf den Flächenrückgang gegenüber 2010 um 6,5 Prozent zurückzuführen. Den größten Anteil an der Getreideernte hat nach wie vor der Winterweizen mit rund 3,1 Mio. t. Das Minus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr ist im Wesentlichen auf die um 7,5 Prozent geringere Anbaufläche (400.000 ha) zurückzuführen. Mit 194 Euro/t erlösten die niedersächsischen Landwirte zur Ernte im Durchschnitt sieben Prozent mehr für ihren Weizen als im vergangenen Jahr.
Der Anbau von Wintergerste hat sich mit 140.000 ha um rund 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr reduziert. Da auch die Hektarerträge sanken, ging die Gesamternte gegenüber 2010 um 26 Prozent auf 840.000 t zurück. Futtergerste brachte mit 186 Euro/t etwa ein Drittel mehr als im Vorjahr.
Die niedersächsische Roggenfläche betrug 115.000 ha (minus fünf Prozent gegenüber 2010). Die geschätzte Gesamternte fällt im Vorjahresvergleich mit 604.000 t um rund 1,5 Prozent höher aus. Roggen bringt zurzeit mit 194 Euro/t etwa 16 Prozent mehr als im Vorjahr.
Raps: Die Rapsfläche in Niedersachsen betrug im Jahr 2011 rund 127.000 ha, das waren zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Der durchschnittliche Hektarertrag wird auf 35 dt/ha geschätzt (Vorjahr: 40 dt/ha). Die Erntemenge beläuft sich auf rund 440.000 t, das sind 16 Prozent weniger als letztes Jahr. Für den Raps werden zurzeit im Mittel 425 Euro/t erzielt, 19 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.
Zuckerrüben: Die diesjährige Ernte ist rekordverdächtig. Es wurden knapp 106.000 ha mit Zuckerrüben bestellt, sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zuckergehalte sind von 16,5 Prozent zu Kampagnebeginn auf 18 Prozent angestiegen. Die Erträge der Rüben liegen jetzt schon bei 65 bis 70 t/ha – Tendenz steigend. So wird das sehr gute Gesamtergebnis von 2009 wohl noch übertroffen werden.
Kartoffeln: Der niedersächsische Kartoffelanbau wuchs in diesem Jahr um zwei Prozent auf knapp 115.000 ha, davon 83.000 ha Industriekartoffeln für die Veredelungs- und die Stärkeindustrie und 32.000 ha Früh- und Speisekartoffeln. Insgesamt ist eine Erntemenge von etwa 5,4 Mio. t zu erwarten. Das sind 18 Prozent mehr als 2010. Der Anteil großer Knollen ist ungewöhnlich hoch. Aufgrund des Überangebots sind die Preise stark fallen. Mit 8,30 Euro/100 kg erzielten die Erzeuger zur Haupternte 54 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Mit steigenden Speisekartoffelpreisen wird aber im Laufe der weiteren Saison gerechnet.
Mais: In Niedersachsen wurden in diesem Jahr rund 604.000 ha Mais eingesät. Das entspricht einer Ausdehnung von knapp 60.000 ha gegenüber dem Vorjahr. Die Zunahme fand im Wesentlichen im Bereich Silomais statt, dessen Anbau um knapp zwölf Prozent auf nun 509.000 ha wuchs. Die Silomaisernte ist weitgehend abgeschlossen. Es wurde eine gute bis sehr gute Ernte eingefahren. Die Erträge lagen mit 450 bis 600 dt/ha etwa zehn Prozent über dem Vorjahresergebnis. Auch der Körnermais (95.000 ha, plus vier Prozent gegenüber 2010) verspricht gute Erträge. Für ihn wird mit Erzeugerpreisen um 190 Euro/t gerechnet, das sind fünf Prozent weniger als letztes Jahr.
Grünland: Die Trockenheit wirkte sich massiv auf die Erträge des ersten und zweiten Grasaufwuchses aus. Es wurden Ausfälle von 30 bis 50 Prozent registriert. Die Sommer- und Herbstaufwüchse waren deutlich besser, sodass das Winterfutter für die Milchviehbetriebe gesichert ist. Schwieriger ist die Situation für Betriebe, die viel Heu verfüttern. Es gab kaum gute Heuperioden. Viele werden teuer zukaufen müssen.
Gemüsebau: Die Gemüseanbauflächen haben sich im Vergleich zum Vorjahr nicht gravierend verändert. Sie lagen in der Summe aller Kulturen bei knapp 19.000 ha (ohne Kartoffeln). Festzustellen war aber eine Zunahme der Grünkohl-, Salat-, Spinat- und der Zwiebelanbauflächen. Gesicherte Daten über die Erträge liegen noch nicht vor.
Öko-Landbau: Wie im letzten Jahr gab es auch in 2011 erhebliche Unterschiede in Ertrag und Qualität. Im Schnitt aller Betriebe dürfte bei den meisten Kulturen von durchschnittlichen bis leicht unterdurchschnittlichen Erträgen auszugehen sein. Die Erlöse bewegen sich überwiegend deutlich über dem Niveau von 2010. Eine Ausnahme macht die Kartoffel: Ihre Erträge liegen weit über dem langjährigen Mittel. Da auch die Anbaufläche erheblich zugenommen hat, drückte eine hohe Erntemenge den Preis, der deutlich unter dem Niveau der Vorjahre liegt. | Suche Abonnenten-LogIn Aktuell: Tiertransporte Alle sagten:
Das geht nicht!
Dann kam jemand, der wusste das nicht und hat es gemacht.
>>>
Tiertransportkontrollen Sie wurden kontrolliert?
Hier können Sie den Fragebogen der vfz – Handelszeitung herunterladen.
Den Bogen ausfüllen und sofort an die vfz - Redaktion faxen.
>>>
|