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07.11.2010 RSS Feed

Finanzierung zwischen konjunktureller Entspannung und struktureller Herausforderung




Berlin (ba/vfz/pm) - Die gute konjunkturelle Entwicklung zeigt sich nun auch in verbesserten Finanzierungsbedingungen etlicher Unternehmen: 12 % berichten in der aktuellen DIHT-Umfrage von verbesserten Konditionen – 4 Prozentpunkte mehr als im Frühsommer. Nur noch bei 2 % der Betriebe werden Kredite abgelehnt, nach zuletzt 3 %. Insbesondere beim größeren Mittelstand hat sich die Situation entspannt. Die Ausfallquote von Mittelstandskrediten blieb in der Krise ohnehin unerwartet gering. Insofern entdecken Kapitalgeber den deutschen Mittelstand derzeit wieder neu – auch, weil andere Anlageobjekte weniger attraktiv erscheinen.

Kredithürden bleiben teilweise hoch
Aber nicht alle Unternehmen spüren die Erholung am Kreditmarkt. 16 %  berichten von verschlechterten Konditionen im Vergleich zum Vorjahr (Frühsommer: 21 %). Als Hauptursachen hierfür geben diese Unternehmen Schwierigkeiten bei Betriebsmittelkrediten (67 %) und fehlende Sicherheiten (60 %) an. Nach wie vor stehen kleine undmittlere Betriebe im Durchschnitt vor höheren Kredithürden, ebenso wie Betriebe in Ostdeutschland. Aber auch der wieder sehr gut laufende Maschinenbaudokumentiert schlechtere Bedingungen als die Gesamtwirtschaft.

Investitionsfinanzierung am Scheideweg
Aktuell planen knapp 30 % (Herbst 2009: 16 %) der Unternehmen eine Aufstockung ihrer Investitionsmittel. Ein wieder wichtigeres Motiv dabei sind Kapazitätserweiterungen. Der Fremdkapitalbedarf für Investitionen wird also deutlich zunehmen. Die Kreditvergabe stößt damit möglicherweise an Grenzen. Denn einige Mittelstandsfinanzierer – z. B. Landesbanken – stehen infolge der Krise nicht mehr in vollem Maße zur Verfügung. Hinzu kommt, dass die Lage des wichtigen Investitionsfinanzierers, der Leasing-Branche, aufgrund regulatorischer Vorschriften und des Rückzugs wichtiger Refinanzierer schwierig ist: Die Kreditablehnungsquote ist hier mit 9 % eine der höchsten im Branchenvergleich. Zudem haben die Eigenmittel etlicher mittelständischer Betriebe durch die Krise gelitten, diese fehlen jetzt für Investitionen.

Regulierungsmaßnahmen werfen Schatten voraus
Die Unternehmensfinanzierung sieht sich strukturellen Veränderungen gegenüber. Banken müssen eine Vielzahl verschärfter und neuer Regulierungen umsetzen: Anlegerschutz, Basel III und Bankenabgabe sind nur einige Bausteine. So richtig eine bessere Finanzmarktregulierung ist, Auswirkungen auf die Kreditvergabe müssen dabei stärker berücksichtigt werden:
  •         Von Banken und auch Unternehmen wird künftig mehr Eigenkapital gefordert.
  •         Regulierungsvorhaben betreffen Unternehmen teilweise direkt, wie z.B. bei den Vorschriften zu Absicherungsgeschäften für                 Währungs- oder Rohstoffpreis-Schwankungen und Verbriefungen von Handels- und Leasing-Forderungen.
  •         Der Bankkredit ist für deutsche Unternehmen – insbesondere für kleine – das wichtigste Finanzierungsinstrument. Die                         Risikoübernahme durch die Banken ist künftig jedoch eingeschränkt. Für Betriebe mit durchschnittlicher Bonität, für                                 Existenzgründer oder für Innovationsfinanzierungen wird es daher schwieriger.

… der DIHK fordert deshalb, …
  •         … die kumulierten Auswirkungen der Regulierung auf die Unternehmensfinanzierung genau zu evaluieren und gegebenenfalls                 nachzujustieren.
  •         … keine nationalen Alleingänge bei Regulierungen zu unternehmen.
  •         … die Rahmenbedingungen für Wagnis- und Beteiligungskapital zu verbessern, z.B. durch eine gesetzliche Regelung der                         Steuertransparenz. Derzeit können ausländische Investoren nicht sicher sein, ob hierzulande erzielte Beteiligungsgewinne nicht im         Heimatland und zusätzlich auch noch durch den hiesigen Fiskus besteuert werden. Daher meiden sie Engagements in Deutschland.



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