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16.12.2011 RSS Feed

Exportklima in der Ernährungsindustrie eingetrübt – aktuelle Exportlage gut, gemischte Erwartungen

Geld Ff Foto Dsc

Berlin (ba/vfz/bve) - Das Export-Klima in der Ernährungsindustrie hat sich im Dezember 2011 leicht eingetrübt und lag mit +39 Punkten um 13% unter dem Wert vom Mai 2011.


Dabei wird das Export-Klima nach wie vor mehrheitlich positiv beurteilt. Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage der Unternehmen auf den Auslandsmärkten fällt derzeit unverändert positiv aus und hat sich sogar um 6% verbessert. Insbesondere die Exporte in die EU-Länder haben sich positiv entwickelt, etwas verhaltener zeigt sich hingegen die Lage im Exportgeschäft außerhalb der EU. Deutlich gedämpfter fallen die Erwartungen für das Exportgeschäft in den kommenden sechs Monaten aus – der Index der Geschäftserwartungen sank um 35%. Die Exportleiter der Ernährungsindustrie gehen davon aus, dass sich das Auslandsgeschäft zwar weiter positiv, aber deutlich weniger dynamisch entwickeln wird. In den einzelnen Branchen zeigt sich ein sehr gemischtes Bild für die Exporterwartungen.

2011 setzte sich der steile Wachstumstrend bei den Exporten in der Ernährungsindustrie trotz Euro-Staatsschuldenkrise fort, auf dieser guten Grundlage wird sich das Exportgeschäft 2012 konsolidieren, kommentiert Dr. Sabine Eichner, Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), die aktuellen Ergebnisse des Exportbarometers der deutschen Ernährungsindustrie, das die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) bereits zum vierten Mal im Auftrag der BVE erstellt hat.

Wir sehen vor allem für kleine und mittelständische Lebensmittelhersteller erhebliche Risiken durch die Entwicklung der Rohstoffpreise. Die steigenden und schwankenden Rohstoffpreise drücken auf Ertragskraft und Liquidität. Die durch die Euro-Schuldenkrise entstehenden Wechselkursrisiken verschärfen diese Entwicklung zusätzlich. warnt Gerd Bovensiepen, Partner und Leiter des Competence Centers Retail & Consumer bei PwC.

Für das Exportbarometer wurden vom 14. November bis 01. Dezember 2011 402 Geschäftsführer und Exportleiter befragt. Die Umfrage bietet einen umfassenden Überblick über die aktuelle Exportkonjunktur in der Ernährungsindustrie und ihren Teilbranchen. Die Befragung wird vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert. Das Export-Klima wird aus der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage und der Erwartung für die nächsten sechs Monate errechnet. Theoretisch möglich sind Ergebniswerte auf einer Skala von minus 100 (alle Befragten beurteilen sowohl die Lage als auch die Perspektiven negativ) bis plus 100 (alle Beurteilungen fallen positiv aus).

Auswirkungen der Euro-Staatsschuldenkrise

Das Exportgeschäft treibt das Wachstum in der Ernährungsindustrie maßgeblich an. Allein in den ersten drei Quartalen 2011 wurden in der Ernährungsindustrie nach BVE-Angaben Waren im Wert von 34,5 Mrd. Euro exportiert, das entspricht einem Gesamtumsatzanteil von 28,4%. Die aktuelle Euro-Staatsschuldenkrise beeinflusst auch die Exporte der der deutschen Ernährungsindustrie. Die sinkenden Erwartungen an die konjunkturelle Entwicklung in den hoch verschuldeten Zielländern dämpfen die Wachstumsdynamik im Exportgeschäft deutlich. Bereits 27% der befragten Unternehmen geben an, dass die Euro-Staatsschuldenkrise die Exporte in die Eurozone-Länder erschwert habe. Sogar 42% der Unternehmen erwarten in den kommenden sechs Monaten eine deutliche Beeinträchtigung ihres Exportgeschäfts in der Eurozone durch die Schuldenkrise. Weitaus weniger stark beeinflusst werden die Exporte in die Länder außerhalb der Eurozone. Hier erwarten lediglich 18% der befragten Unternehmen in den kommenden sechs Monaten eine Belastung durch die Euro-Staatsschuldenkrise.
Besonders besorgt zeigten sich die Branchen der Ernährungsindustrie hinsichtlich der Entwicklung der Rohstoffkosten in den kommenden sechs Monaten. Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen glauben, dass sich die Rohstoffe verteuern werden, lediglich 7% gehen von sinkenden Rohstoffkosten aus.
Erfreulich optimistisch zeigen sich die Unternehmen der Ernährungsindustrie hinsichtlich der Entwicklung der Binnennachfrage in Deutschland. Eine deutliche Mehrheit (70%) geht davon aus, dass die Euro-Staatsschuldenkrise die Nachfrage in den nächsten sechs Monaten nicht beeinträchtigen wird.


Entwicklung nach Absatzmärkten

Rund 80% der deutschen Lebensmittelexporte werden innerhalb der Europäischen Union abgesetzt, ein Exportanteil auf hohem Niveau der stabil bleibt. Zu den wichtigsten Absatzmärkten zählen die Niederlande, Frankreich, Österreich und Italien. Deutlich verbessert haben sich die Exporterwartungen für Belgien: mehr als die Hälfte (56%) der befragten Unternehmen rechnen hier mit steigenden Absätzen. Ebenfalls nahmen die steigenden Exporterwartungen für Frankreich und die Niederlande nochmals um 12,1% bzw. 28,6% zu. Dagegen haben sich die Exporterwartungen für Italien, Spanien und Großbritannien aufgrund der generell schlechten konjunkturellen Erwartungen deutlich eingetrübt: der Anteil der befragten Unternehmen, die von sinkenden Exporten in diese Länder ausgehen, hat sich mehr als verdoppelt, im Fall von Großbritannien sogar verzehnfacht.

Die wichtigsten Absatzmärkte außerhalb der EU sind weiterhin die USA, Russland und die Schweiz. Gerade für die USA sind die Absatzerwartungen für die nächsten 6 Monate wieder deutlich gestiegen. Die konjunkturelle Entwicklung und positive Konsumlaune in den USA lassen fast zwei Drittel (63%) der befragten Unternehmen von steigenden Absätzen ausgehen. Ein besonders positiver Trend lässt sich auch für das Exportgeschäft mit Australien beobachten. 42% der befragten Unternehmen erwarten hier eine steigende, 54% immerhin gleichbleibende Exportentwicklung.
Im chinesischen Markt sieht die deutliche Mehrheit der deutschen Lebensmittelhersteller weiterhin großes Potenzial: 72% der befragten Unternehmen gehen hier von einem steigenden Absatz aus.
Das Exportgeschäft in Russland zeigt sich durch die nach wie vor schwierigen Exportbedingungen weiter beeinträchtigt, auch der bevorstehende WTO-Beitritt gibt kaum Anlass für positive Erwartungen. Hinzu kommt die gemäßigte Konsumlaune in Russland. Nur noch die Hälfte der befragten Unternehmen (nach 72% im Mai) geht von steigenden Exporten aus. In Japan ebbt die große Importnachfragewelle nach Fukushima langsam ab: die große Mehrheit der Unternehmen geht jedoch von gleichbleibenden Exporten aus.


Branchenergebnisse

Zu den Hauptexportgütern der Ernährungsindustrie zählen neben Fleisch- und Milchprodukten Süßwaren und Getränke. Bezüglich der aktuellen Lage im Exportgeschäft sind die Einschätzungen branchenübergreifend optimistisch, besonders positiv fallen im Dezember 2011 die Einschätzungen der Fleisch- und Fleischwarenbranche im Vergleich zum Mai 2011 aus.
Bei den Erwartungen an das Exportgeschäft für die kommenden 6 Monate zeigen sich die Branchenbeurteilungen sehr gemischt. Während sich gegenüber Mai 2011 die Geschäftserwartungen im Dezember 2011 bei der Obst- und Gemüseverarbeitung (+26%), den alkoholfreien Getränken (+15%) und den Fleischwaren (+7%) verbesserten, waren sie bei Bier (-12%), Backwaren (-29%) und den Süßwaren (-63%) rückläufig und brachen bei Fleisch (-117%) und den Molkereiprodukten (-191%) massiv ein. Gerade für die Milchindustrie wirkt sich das derzeitige Überangebot an Milch auf dem Weltmarkt negativ auf die Stimmung in der Branche aus.


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