Weeze/Bonn (ba/vfz/pm) - Die Unternehmen der Ernährungswirtschaft müssen und wollen stärker als bislang auch grenzüberschreitend zusammenarbeiten, um sich im globalen Wettbewerb zukünftig erfolgreich zu positionieren. Dies gelte insbesondere für Wirtschaftsräume wie die Region Niederrhein, die inzwischen faktisch keine Grenzen mehr kenne, machten die Referenten beim ersten Kongress der deutsch-niederländischen Kooperationsinitiative „AgroFoodLink“ am Mittwoch auf dem Airport Weeze am Niederrhein deutlich. In dieser von der niederländischen Kamer van Koophandel Centraal Gelderland in Arnheim gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung des Kreises Kleve ins Leben gerufenen Initiative arbeiten inzwischen 24 regionale und nationale Organisationen der Agrar- und Ernährungswirtschaft aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien zusammen – darunter Entwicklungsgesellschaften wie der Greenport Venlo, der nordrhein-westfälische Cluster „Ernährung.NRW“ oder die belgische Organisation „Flanders Investment & Trade“.
AgroFoodLink widmet sich speziell grenzüberschreitenden Kooperationen in der Landwirtschaft und Ernährungsindustrie im Grenzgebiet Niederrhein. In dieser Region spielt die Ernährungswirtschaft als Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber eine bedeutende Rolle. Allein in Kleve sei jeder sechste Arbeitsplatz den Betrieben des Agrar- und Lebensmittelsektors zuzurechnen, verdeutlichte Hans-Josef Kuypers, Chef der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve. Ähnlich stelle sich die Situation auf niederländischer Seite dar, erläuterten Vertreter der dortigen Branche. Schon jetzt bilde der Osten der Niederlande - also die Grenzprovinzen Gelderland und Limburg - zusammen mit dem deutschen Gebiet am Niederrhein die wichtigste Agro-Food-Region Europas, sagte Lei Heldens, Vorsitzender von AgroFoodLink. Diesen Status gelte es auszubauen und zu sichern, betont er. Eine wesentliche Voraussetzung dafür sei die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Firmen und Forschungseinrichtungen in Deutschland, den Niederlanden und Belgien.
Als besonders sinnvolle und erfolgversprechende Bereiche für „regionale Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg“ wurde auf dem Kongress zum einen die Entwicklung neuer und innovativer Produkte und Verfahren genannt. Gemeinsam könnten mögliche Synergien in Forschung und Entwicklung besser und effektiver genutzt werden, hieß es. So lasse sich auf diesem Weg vorhandenes Know how gegenseitig ergänzen und gegebenenfalls kreativer weiterentwickeln. Dies insbesondere auch mit dem Ziel, durch eine bessere Ernährung Krankheiten vorzubeugen. Es gelte, mit neuem Denken und neuen Ideen gemeinsam erfolgreich zu sein, brachte es eine Referentin auf den Punkt. Als weitere aussichtsreiche Felder für Kooperationen wurden die Bereiche Nachhaltigkeit, Vermarktung/Marketing sowie Aus- bzw. Weiterbildung hervorgehoben.
Wie Dr. Otto Strecker, Leiter des Clustermanagements Ernährung.NRW, in Weeze betonte, sind Zusammenarbeit und Vernetzung entlang der Wertschöpfungskette in der Ernährungswirtschaft insbesondere für die kleineren und mittelgroßen Unternehmen der Branche von erheblicher Bedeutung. Denn ihnen fällt es im Vergleich mit den Schwergewichten der Branche aufgrund der finanziellen und personellen Voraussetzungen oft schwerer, Innovationen voranzutreiben. Benachteiligt sind diese Unternehmen zudem häufig beim Wettbewerb um qualifizierte Nachwuchskräfte. Vor diesem Hintergrund hat der Cluster Ernährung.NRW ein spezielles überbetriebliches Trainee-Programm entwickelt, das helfen soll, diese Probleme in Kooperation zu überwinden.
Analog zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit am Niederrhein solle und müsse sich auch AgroFoodLink weiterentwickeln. Dieses Fazit zogen die beteiligten Organisationen und zahlreichen Branchenvertreter am Ende des ersten Kongresses von AgroFoodLink, der mit mehr als 220 Teilnehmern nicht nur das Interesse der Branche an einer verstärkten Zusammenarbeit über die Grenze hinweg deutlich machte, sondern auch die Erwartungen der Veranstalter übertraf.