Berlin (ba/vfz/pm) - Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) Gerd Sonnleitner widerspricht Behauptungen, Lebensmittel würden durch Biokraftstoffe deutlich teurer: Wir Bauern können uns über die schräge E10-Debatte nur die Augen reiben. Da setzen wir 2 bis 5 Prozent unserer Produktion für Biokraftstoffe ein, um die Abhängigkeit der deutschen Autofahrer von Gaddafi und anderen Öldespoten zu vermindern und gleichzeitig etwas für den Klimaschutz zu tun, dann wird diese völlig unsachlich kritisiert. Da kommen wir nach Jahrzehnten endlich aus der Tretmühle sinkender Milch-, Getreide- und Fleischpreise heraus, dann wird daraus eine ‚Verknappung für die Welternährung’
. Tatsächlich aber werde neuerdings sogar mit Nachhaltigkeitszertifikaten nachgewiesen, dass Biokraftstoff keinen Wald verdrängt. Und Biokraftstoffe liefern als Koppelprodukt Eiweißfuttermittel, die ansonsten aus Übersee importiert werden müssten
, betont Sonnleitner.
Wenn die Nahrungsmittel jetzt aus den Discountertiefstpreisen herauskommen, ist das eine Wertschätzung für die Arbeit der Bauernfamilien und keine Katastrophe für unsere Verbraucher. Die Deutschen geben derzeit nur 11 Prozent ihrer Einkommen für Lebensmittel aus, sind damit am untersten Ende in Europa. Daraus eine Kampagne gegen Erneuerbare Energie und Biokraftstoffe zu zimmern ist abwegig. Gerade wenn die Atommeiler jetzt abgeschaltet werden, brauchen wir umweltfreundlich erzeugte Biomasse für den Strom, für die Wärme und für das Benzin unserer Autos
, so der DBV-Präsident weiter.
Der DBV weist darauf hin, dass die Erzeugerpreise für Getreide bereits in den 1980er Jahren bei etwa 25 Cent/kg lagen. Dieses Preisniveau am Getreidemarkt wurde erstmals in den Jahren 2007/08 und 2010/11 wieder annähernd erreicht. Beschwerden von Teilen der Ernährungsindustrie über angeblich zu hohe Beschaffungskosten bzw. über hierdurch steigende Lebensmittelpreise haben damit keine Substanz. Belastend sind aber die sehr starken Preisschwankungen binnen kurzer Zeit.