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04.08.2011 RSS Feed

Am Schwein verdienen die Bauern kein Geld

 

Hannover (ba/vfz/L P D) - Die Nachwirkungen der Dioxinkrise treffen die Schweinehalter in Niedersachsen erneut heftig. Die Preise für Schlachtschweine sowie Ferkel sind nach Mitteilung des Landvolkes Niedersachsen enorm unter Druck. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht müssten wir Preise von 1,80 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht bei den Mastschweinen und um die 60 Euro für ein Ferkel mit 25 kg Gewicht erzielen, verdeutlicht Hermann Wester, Vorsitzender im Veredelungsausschuss des Landvolkes Niedersachsen. Tatsächlich jedoch sind die Notierungen für Schlachtschweine Ende Juli auf 1,53 Euro gestürzt, die Sauenhalter erzielen für ihre Ferkel gerade noch 36 Euro. Der Kühlschrank wird wieder aufgemacht, sagt Wester und spielt damit auf die Auslagerung der nach der Dioxinkrise vom Markt genommenen Partien an. Die Grillsaison fiel in Deutschland witterungsbedingt nahezu komplett aus, im europäischen Markt sind viele Verbraucher durch die Wirtschaftskrise verunsichert, im Einzelhandel wurden Werbemaßnahmen nach der Dioxinkrise zurückgefahren. Daneben belasten extrem hohe Kosten, unter anderem für Futter und Energie, die Landwirte. Selbst absolute Spitzenbetriebe rutschen in die roten Zahlen und verfügen nach einer langen Phase ohne kostendeckende Erlöse über keinerlei Reserven.

Das Landvolk befürchtet, dass sich vor diesem Hintergrund noch mehr Betriebe aus der Ferkelerzeugung verabschieden werden und sieht darin ein falsches Signal. Die häufig zitierte Erfolgsgeschichte der deutschen und niedersächsischen Schweinehaltung steht damit auf dem Spiel. Der Verband appelliert an den Zusammenhalt in der gesamten Branche, um die Wertschöpfung auf ein auskömmliches Niveau zu heben. Dazu zählt auch die Botschaft an die Verbraucher, dass die Zeit extrem niedriger Fleischpreise  auf absehbare Zeit vorbei ist. Höhere Standards verlangen höhere Preise und sollten nach Überzeugung der Landwirte auch von der Politik in der Verbraucheraufklärung kommuniziert werden. Zusätzliche Verunsicherung löst die Politik über die Tierschutzdebatte aus. Viele Landwirte sehen sich bei allem Verständnis für Aspekte des Tierschutzes zurzeit außerstande, weitere Investitionen zu tätigen. Hier mahnt der Berufsstand eine Entwicklung mit Augenmaß an. Nicht nur konventionelle, sondern auch Bioschweinehalter kommen derzeit mit den Erzeugerpreisen nicht über die Runden. Trotz einer höheren Nachfrage konstatierte jetzt das Aktionsbündnis der Bioschweinehalter in Deutschland, mit Ferkeln und Mastschweinen sei derzeit kein Geld zu verdienen. (LPD 38/2011)


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