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07.04.2011 RSS Feed

Ägypten und Tunesien nach der Revolution: It’s the economy, stupid!
Die arabische Welt befindet sich im Aufbruch: Demonstranten fordern in vielen arabischen Staaten freie Wahlen und Reformen. Die Erfahrungen aus Ägypten und Tunesien sind jedoch nicht einfach auf Nachbarländer in der Region übertragbar: In Libyen ist die Auseinandersetzung zwischen Regierung und Opposition zu einem blutigen Bürgerkrieg eskaliert.

Einbeziehung der Bevölkerung bietet Chance auf Stabilität

Wichtige Triebkräfte für die Unzufriedenheit der Bevölkerung sind die hohe Arbeitslosigkeit – insbesondere unter jungen Menschen – und die grassierende Korruption. Die Wirtschaftsreformen, die viele arabische Staaten in den letzten Jahren angestoßen haben, sind bei großen Teilen der Bevölkerung nicht angekommen. Die breite Einbeziehung der Bevölkerung in politische Entscheidungsprozesse bietet die Chance auf langfristige Stabilität und wirtschaftliches Wachstum. Gleichzeitig ermöglicht die höhere Transparenz demokratischer Entscheidungsprozesse ein gezieltes Vorgehen gegen Korruption und Nepotismus.

Marktorientierte Reformen weiter verfolgen

Wirtschaftliche Entwicklung ist zugleich eine entscheidende Voraussetzung für den Erfolg der Demokratisierung. Die marktorientierten Reformen, die Ägypten und Tunesien in den letzten Jahren ein solides Wirtschaftswachstum und hohe ausländische Direktinvestitionen beschert haben, dürfen deshalb nicht zurückgenommen werden. Wichtig ist, dass die Menschen an der wachsenden Wirtschaftsleistung beteiligt werden und Bürokratie bekämpft wird. Einige deutsche Unternehmen vor Ort investieren bereits wieder in die Zukunft und haben die Ausweitung ihres Engagements angekündigt.

AHKs können praxisnahe Unterstützung anbieten

Die Bundesregierung sollte gemeinsam mit ihren europäischen Partnern den Transformationsprozess in Ägypten und Tunesien unterstützen und gezielte Hilfe beispielsweise bei Verwaltungsreform und Korruptionsbekämpfung anbieten. Das deutsche Engagement sollte durch hochrangige Besuche und Delegationsreisen unterfüttert werden. Die deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) in Ägypten und Tunesien sind durch die enge Vernetzung mit lokalen Entscheidungsträgern und ihre bilaterale Mitgliedschaft gut aufgestellt und können praxisnahe Unterstützung anbieten. Die Bundesregierung sollte diese Aktivitäten politisch und materiell flankieren, insbesondere in den folgenden Bereichen:

-        Berufsbildung: Die junge Bevölkerung in der Region benötigt eine praxisnahe Vorbereitung auf die Erfordernisse des Arbeitsmarktes. Das bestehende Engagement der AHKs in der Aus- und Weiterbildung sollte in Kooperation mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ausgebaut werden. Ergänzend könnte die gezielte Vermittlung von qualifizierten Fachkräften an Unternehmen angeboten werden - vor Ort, aber auch nach Deutschland.

-        Existenzgründung: Junge Privatunternehmen tun sich in der Region immer noch schwer. Die AHKs unterstützen Unternehmer im Prozess der Existenzgründung und der Geschäftsentwicklung.

-        Arbeitskonflikte: Verlässliche Arbeitsbeziehungen sind wichtige Standortvorteile – insbesondere für Unternehmen, die in weltweite Produktionsketten eingebunden sind. Sowohl aus Tunesien als auch aus Ägypten sind nach dem Sturz der Regierung vereinzelt wilde Streiks gemeldet worden. Die AHKs vor Ort tragen durch Schulungen von Unternehmensvertretern dazu bei, einen professionellen Umgang mit Arbeitskonflikten zu ermöglichen.

Ansprechpartner: Felix Neugart, DIHK Berlin, Telefon 030 / 20308-2310

 


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